Bauordnungsnovelle 2018 / erste Praxiserfahrungen

Im November 2018 wurde die jüngste Novelle der Wiener Bauordnung beschlossen, welche viele Neuerungen bringt und die auch auf die jüngste Rechtsprechung des VwGH reagiert. So wurden etwa Regelungen betreffend geförderten Wohnbau oder etwa zur Kurzeitvermietung von Wohnungen beschlossen, deren Anwendbarkeit aus rechtlicher Sicht viele Fragen aufwerfen.
Weiter wird auf „architektonische“ Entscheidungen des VwGH (Stichwort: Erker, Laubengänge und Gauben) mit der Novelle reagiert. Auch hier bleibt abzuwarten, ob die neuen Regelungen die erwünschte rechtliche Klarstellung bringen. Verfahrensvereinfachungen für bestimmte Bereiche werden ebenso normiert. Gegenstand des Immodienstags am 5. März soll eine Darstellung der wichtigsten Neuerungen samt damit verbundener erster Praxiserfahrungen sowie einer Abschätzung von sich daraus ergebenden Chancen und Risiken sein.

Facebook Livestream der Veranstaltung

Programm

  • 18:00 - 18:30 Eintreffen der Gäste und Begrüßung durch das Team
     
  • Markus Busta

    Selbständiger Rechtsanwalt in Wien und Partner in der Kanzlei Hasberger_Seitz und Partner.

    Welche Auswirkungen hat die neue Flächenwidmungsplankategorie Geförderter Wohnbau nach der Wr BauO?

    In Gebieten für geförderten Wohnbau dürfen Wohnungen nur geschaffen werden, wenn die auf dem Bauplatz vorgesehenen Wohnungen hinsichtlich der Grundkostenangemessenheit nach der Wohnnutzfläche überwiegend dem § 5 Z 1 WWFSG 1989 entsprechen.

    Welchen Mindestanteil muss der Geförderte Wohnbau in derartigen Widmungskategorien aufweisen?

    Im Allgemeinen ist von einem überwiegenden Anteil gemäß der Neuregelung in der Wr BauO auszugehen. Bei einem überwiegenden Anteil ist ein Ausmaß von mehr als 50 % anzunehmen. Demgegenüber sehen die ebenfalls vom Gemeinderat beschlossenen Planungsgrundlagen der Stadt Wien zu dieser Widmungskategorie vor, dass ein Mindestanteil an geförderter Wohnnutzfläche (gemessen an der gesamten Wohnnutzfläche) von zwei Drittel festgelegt werden kann.

    Welche zusätzlichen Erfordernisse im Rahmen des baurechtlichen Bewilligungsverfahrens stellen sich auf Grund dieser neuen Widmungskategorie?

    Bei der Schaffung von Wohnungen in Gebieten für Geförderten Wohnbau ist bereits mit dem Antrag auf Baubewilligung der Nachweis der Grundkostenangemessenheit der Baubehörde vorzulegen. Die Baubehörde hat sodann zu überprüfen, ob diese Grundkostenangemessenheit besteht. Unabhängig von anderen Rechtsgrundlagen ist die tatsächliche Förderungszusage erst mit der Fertigstellungsanzeige vorzulegen.  

    Guido Markouschek

    Im November 2018 wurde die jüngste Novelle der Wiener Bauordnung beschlossen, welche viele Neuerungen bringt und die auch auf die jüngste Rechtsprechung des VwGH reagiert. So wurden etwa Regelungen betreffend ...

    Gerald Fuchs

    Leiter Rechtsreferat MA 37.

    Gibt es Erleichterungen bei der Stellplatzverpflichtung?

    Einerseits wurde die Verpflichtung zur Schaffung von Pflichtstellplätzen bei Bestandsänderungen im Wohnbau stark reduziert, da facto nun gegenstandslos. Dies gilt auch schon für bereits anhängige Verfahren. Andererseits können ungenutzte Pflichtstellplätze nun unter bestimmten Voraussetzungen aufgelöst werden  

    Können kleinere Bauvorhaben in einem vereinfachten Verfahren bewilligt werden?

    Mit § 70b der Bauordnung für Wien (BO) wurde ein spezielles vereinfachtes Verfahren für Bauwerke kleinen Umfangs geschaffen (ähnlich § 70a BO). Es kommt bei Bauvorhaben im Gartensiedlungsgebiet sowie bei Bauvorhaben in der Bauklasse I mit einer bebauten Fläche von höchstens 150 m² zur Anwendung. Dieses Verfahren ist zwingend anzuwenden, es besteht kein Wahlrecht.

    Wurden die Bestimmungen zum Schutz alter Gebäude verschärft?

    Neben dem Abbruch von Gebäuden in Schutzzonen ist nun auch für den Abbruch von Gebäuden die vor dem 1.1.1945 errichtet wurden eine Bewilligung erforderlich. Solche Gebäude können dann ohne Bewilligung abgebrochen werden, wenn Bestätigung des Magistrats vorliegt, dass an der Erhaltung des Bauwerks infolge seiner Wirkung auf das örtliche Stadtbild kein öffentliches Interesse besteht.

  • 19:45 - 22:00 Get2gether mit anregenden Gesprächen
     

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  • Zweiter Vortrag 1.05 KB
  • Dritter Vortrag 144.03 KB

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Berichte & Kommentare

  • Walter Senk Walter Senk

    11.03.2019

    Voller Saal und Besuchsrekord beim ImmoDienstag

    Wie nicht anders zu erwarten, gab es beim ImmoDienstag am 5. März im Sofitel Praterstraße einen vollen Vortragssaal. Der Andrang war nicht nur dem aktuellen Thema über die Baurechtsnovelle 2018 und den Erfahrungen aus der Praxis geschuldet, sondern auch der Tatsache, dass sich der ImmoDienstag mittlerweile als Spezialevent in der Branche etabliert hat.

    Bereits im Vorfeld hatten sich rund 460 Interessierte für den Abend angemeldet. Da im Saal selbst nur für 110 Personen Platz war, wurden die Sitzplätze nach dem Zufallsprinzip schon ein paar Tage zuvor vergeben. Um jenen Personen, die keinen Einlass fanden, ebenfalls die Möglichkeit zu geben, „live dabei zu sein“, schaltete das ImmoDienstag-Team für diesen Abend auf Facebook einen Livestream. Dadurch konnte mit fast 250 Zuseherinnen und Zusehern ein neuer Besuchsrekord erreicht werden.

    Zu Beginn der Veranstaltung hielten Markus Busta, selbstständiger Rechtsanwalt in Wien und Partner in der Kanzlei Hasberger_Seitz und Partner, sowie Mag. Andreas Trenner, Konsulent für Baurecht, gemeinsam einen Vortrag. Markus Busta sprach über die Bauordnungsnovelle im Zusammenhang mit dem geförderten Wohnbau, Andreas Trenner über Neuerungen bei Erkern, Dachausbauten und Dachvolumina.

    Mit einigen Spezialthemen wartete anschließend DI Guido Markouschek, Technischer Direktor bei der MA 37, auf: Die barrierefreie Gestaltung von Bauwerken, Aufzüge, spezielle Ausnahmen von Bauvorschriften und Bestandsschutz versus Abbruchbewilligung waren seine Inhalte. Neue Zahlen und Fakten über den Gebäudebestand soll die ab März anzuwendende Gebäudedatenbank liefern – auch dazu gab es einen Ausblick.

    Den dritten Vortrag des Abends bestritten Mag. Gerald Fuchs, Leiter der Stabsstelle Recht in der MA 37, und DI Ernst Schlossnickel von der Stadtbaudirektion. Sie gaben ein „Update“ zu den Zielen und Inhalten zur Wiener Bauordnung und gingen danach auf einige Verfahrensvereinfachungen für Bauanzeigen und andere Bewilligungsverfahren ein. Auch das neue Stellplatzregulativ und der Wille der Stadt, im Sinne der CO2-Einsparung bei Neubau nur noch Energie aus erneuerbaren Quellen einzusetzen, sowie die „kurzfristige Beherbergung“ – sprich Airbnb – wurden thematisiert.

    Um künftig noch besser in seinem Job zu sein und jetzt schon die Inhalte der nächsten Bauordnungsnovelle vorauszusehen, erhielt Mag. Gerald Fuchs vom ImmoDienstag-Team eine Wahrsagerkugel. Sein überraschtes Statement: „Die Kugel leuchtet ja!“

    Nach diesen sehr kompakten zwei Stunden Fachwissen ließen die Vortragenden und das Publikum den Abend beim gewohnten „Get together“ ausklingen. Neben angeregten Gesprächen taten die Anwesenden das, wofür der ImmoDienstag ebenfalls gedacht ist: netzwerken.

2 Kommentare zu “Bauordnungsnovelle 2018 / erste Praxiserfahrungen

  1. Yana Weltmeier

    Hallo, leider den Frist übersehen.
    Wenns doch Plätze frei bleiben, komme ich gern auch spontan.

    Mfg

    Reply
    • Gerhard Popp

      Hallo, leider sind wir für heute Abend komplett ausgebucht, sie können aber die Vorträge über unseren Facebook Livestream mitverfolgen.

      Reply

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Veranstaltungsdaten

  • Datum: 05.03.2019 18:00
  • Ort: SO/Vienna
    Praterstrasse 1
    1020 Vienna
  • Anmeldeschluss: 26.02.2019
  • Plätze: 100
  • Anmeldungen: 418
  • Teilnehmer: 100
  • Erhalten wir, zu einer Veranstaltung, mehr Anmeldungen als Plätze zur Verfügung stehen verlosen wir alle Plätze per Zufallsprinzip unter allen Anmeldungen. Das Anmeldedatum hat dabei keinen Einfluss auf die Ziehung.

Programmverantwortlich

Markus Busta

Selbständiger Rechtsanwalt in Wien und Partner in der Kanzlei Hasberger_Seitz und Partner. mehr..

Veranstaltungsort

SO/Vienna
Praterstrasse 1
1020 Vienna